Samstag, 5. Januar 2013

Kapitel 1




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Es ist dunkel im Zimmer. So verdammt dunkel. Kein Lichtstrahl durchdringt die fest geschlossenen Vorhänge. Nichts stört die Ruhe. Noch nicht einmal das Ticken der Uhr ist zu hören.
Eliza liegt still und starrt auf das Fenster. Oder zumindest dorthin, wo sie das Fenster vermutet. Ihre Gedanken drehen sich wie wild im Kreis. Es ist die Silvesternacht und Eliza weiß, dass sie das neue Jahr nicht mehr erleben wird. 95 ist sie jetzt und diese Nacht wird die letzte auf Erden für sie sein. Wenn doch nur diese verdammte Finsternis nicht wäre!
Eliza versucht den Kopf zu heben, aber es gelingt ihr nicht. Schreien möchte sie, aber kein Ton kommt über ihre Lippen. Ihre Kehle ist ausgetrocknet. Sie glaubt Schatten im Dunkeln zu erkennen und doch ist dort nichts weiter als tiefschwarze Nacht. Noch nie in ihrem Leben war sie so einsam.
Allein, ja das war sie solange sie denken kann. Immer war sie sich selbst genug und hatte nie das Bedürfnis nach Gesellschaft oder sogar Freunden. Ihre Welt waren die Bücher. Ihre Freunde erschuf sie sich selbst in ihren Geschichten. Unermüdlich schrieb sie Buch um Buch. Und sie hatte Erfolg damit. Zumindest bewiesen das die Millionen, die sich auf ihrem Konto angesammelt hatten. Aber nun, wo ihre Hand schon lange keinen Stift mehr halten kann, was bleibt ihr da? Wer hält jetzt ihre Hand oder streichelt ihr über das Gesicht? Da ist niemand, der zu ihr gehört Eine griesgrämige alte Frau ist sie geworden, die allein in ihrem riesigen Märchenschloss lebt. Umgeben von ihren Büchern. Stumme Zeugen eines Lebens, in dem andere Menschen nie eine Rolle spielten.
Über Liebe hat sie geschrieben. Liebe und Abenteuer durften ihre Helden erleben. Nur sie selbst hat niemals Liebe erfahren. Ihre Leser dachten immer, Eliza würde alle ihre Geschichten selbst erlebt haben, so einfühlsam schrieb sie. Niemand wusste, wie Eliza wirklich war. Sie ließ es nicht zu, dass jemand in ihre Seele schauen konnte. War es Angst, die sie daran hinderte? Eliza weiß es nicht, aber heute Nacht wünscht sie zum ersten Mal, sie hätte mit etwas weniger Verachtung auf ihre Mitmenschen herab gesehen. Einmal nur wollte sie das Gefühl haben, verliebt zu sein. Sich jemandem ganz hin zu geben, mit Körper und Seele. Einen anderen Menschen mehr zu lieben, als sich selbst. Nur einmal im Leben.
Ihre Hand tastet mühsam nach dem Glas Wasser auf ihrem Nachtisch. Sie kann es nicht fassen. Das Glas fällt vom Tisch und zerschellt am Boden.
"Herrgott, was ist denn jetzt schon wieder?“ Mit einem Ruck wird die Tür aufgerissen und eine resolute, wie zu einer Party gekleidete Frau erscheint.
„Was haben Sie denn, Mrs. Robins? Ich hätt´ ja nie gedacht, dass es…“. Abrupt unterbricht sich die Frau. Nein, sie kann doch der todkranken alten Frau nicht sagen, dass alle hier im Haus nur auf ihren Tod warten. So grausam kann man doch nicht sein. Obwohl, Mrs. Robins hat ja auch nie darauf Rücksicht genommen, wie grob sie zu ihren Mitmenschen und besonders zu ihren Angestellten ist. Hoffentlich kratzt der alte Drachen bald ab, vermissen wird sie ja sowieso niemand.
„Das Fenster. Vorhänge auf.“ Mühsam und mit letzter Kraft krächzt Eliza die Worte.
„Wenn`s dann sein muss, mach ich sie eben auf. Frag mich nur wozu, ist doch stockfinster da draußen.“ Mürrisch zieht die Frau die dicken schweren Vorhänge zur Seite.
„So, sind wir jetzt zufrieden? Dann kann ich ja wieder zur Party zurückgehen.“ Die Frau lacht höhnisch auf und schließt mit einem lauten Knall die Tür hinter sich.
Und wieder ist Eliza allein. Aber zumindest ist es jetzt nicht mehr so dunkel. Es ist Vollmond und eine klare Nacht. Seltsamerweise ist nur ein Stern zu sehen, der genau in Elizas Zimmer scheint. Hell und rein strahlt er und Eliza geht ein Lächeln über das Gesicht.
„Na du, bist du gekommen, um mich zu holen? Es dauert nicht mehr lange, bald bin ich bei dir“.
Eliza schaut direkt in das funkelnde Sternenlicht. Sie kann sich gar nicht satt sehen an dem hellen Strahl. Es ist schön, mit dem Bild eines Sternes in den Augen zu sterben. Etwas Schöneres kann sich Eliza kaum vorstellen.
„Doch“, flüstert da eine leise Stimme in ihrem Kopf, „es gibt etwas viel Schöneres als einen Stern. Die Liebe in den Augen eines anderen Menschen zu sehen, ist viel wundervoller“.

„Liebe? Liebe, was ist das schon? Hab ich nie gebraucht und brauch ich wohl auch jetzt nicht mehr“
„Oh doch, Liebe braucht jedes Lebewesen. Jeder Mensch ist nur durch die Liebe ganz und richtig. Auch du, Eliza. Gerade du brauchst die Liebe am meisten. Sieh mich an, schau ganz tief in meine Strahlen. Fühlst du, wie sie dich einfangen und dich umarmen? Spürst du die Wärme der Liebe? Kannst du sie fassen?“
Plötzlich strahlt der Stern mit einer Intensität, dass es ganz hell im Zimmer wird. Genau auf Eliza, die einsam in ihrem Bett liegt, fällt der Sternenstrahl und jetzt spürt sie es wirklich. Die Wärme, die von dem Stern ausgeht.
„Zeig mir die Liebe. Nur einmal im Leben möchte ich sie erleben. Zeig sie mir“, Eliza schließt langsam und zögernd die Augen. Sie möchte so gern lieben. Und wenn es das letzte ist, was sie noch tun kann. Einmal lieben und dann sterben. ...Fortsetzung folgt

Kommentare:

Clau Dia hat gesagt…

Vroni... mein Kommentar ist weg, dann nochmal hier: ich liebe deine Geschichte jetzt schon und freue mich wahnsinnig auf die Fortsetzungen. Ich glaube, das ist eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack :)
Leider bin ich unkreativ... aber ich lese gerne :)
Liebe Grüße
Claudia

Bibilotta hat gesagt…

Wow...was für eine Geschichte...da muss ich doch gleich mal zum 2. Teil rüberhüpfen...aber sag, hast du die selbst geschrieben ????

Bibilotta hat gesagt…

Wow...was für eine Geschichte...da muss ich doch gleich mal zum 2. Teil rüberhüpfen...aber sag, hast du die selbst geschrieben ????

Veronika hat gesagt…

Hallo ihr Lieben,
schön, dass die Geschichte euch immer noch gefällt (dank der süßen Peggy wird es bestimmt noch ein paar Fortsetzungen geben). Und klar, Bibilotta, hab ich die selbst geschrieben, sonst wäre es doch nicht "meine" Geschichte. Die Idee dazu hatten Peggy und ich bei einem wunderschönen Nachmittag/Abend bei ihr - die Ausführung stammt dann von mir. Weiterhin viel Spaß und schöne Grüße
Veronika

Gänseblümchen hat gesagt…

Veronika übertreibt: Also es war wirklich ein wunderschöner Nachmittag. Aber das einzige Wort, dass ich gesagt habe war "Zeitreise" und dann sprudelten die ganzen Ideen nur so aus Ihr heraus, dass ich sprachlos war. Ich würde mich gerne mit diesen Federn schmücken, es sind aber definitiv nicht meine, denn eine so schöne Geschichte könnnte ich nie und nimmer erfinden. Veronika: Ich bin total stolz auf Dich! :-)

Gänseblümchen hat gesagt…

Ach ja und ich bin sehr stolz, dass ich diese Geschichte bei mir posten darf! :-)